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Bombengeschäft

"Achtung . . .

. . . hier spricht der
Epresser Dagobert"

Meine erste
Buchveröffentlichung.

Dagobert

Karin-Kramer-Verlag

Berlin 1994

Dagobert-Geschichten Phantastische Geschichten um einen Kaufhauserpresser. Dagobert machte einst Schlagzeilen und inspirierte selbst namhafte Krimiautoren.

(Argon-Verlag, Berlin 1994)

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Kruses Gartenzwerg

KreuzstichDer Name des Helden Seifferheld erinnert an Seifenoper, und so kommt einem das Buch auch vor. Es ist trivial. In der Sprache, im Aufbau, in der Umsetzung. Dabei ist die Grundidee des Plots gar nicht schlecht. Das Problem ist, dass sich Tatjana Kruse für eine potentielle Nobelpreisträgerin für Kriminalliteratur zu verstehen scheint und eine übergangene Pulitzerpreisträgerin. Vor allem, wenn sie ihren Helden Polizeiberichte für das "Haller Tageblatt" formulieren lässt - die natürlich von allen, auch von Kruses virtuellen Journalisten, gelobt werden - fragt man sich als Journalist und vieljähriger Polizeireporter: "Was, um Gottes Willen, habe ich in den vergangenen 30 Jahren falsch gemacht?" Keine dieser immer wieder ins Buch eingestreuten Polizeimeldungen würde so auch nur im Amtsblatt gedruckt.

Davon abgesehen, dass der Autorin das grundlegende juristische Wissen fehlt: Ein Polizist ruft den Helden Seifferheld an und informiert ihn, dass seine Nichte als radikale Umweltaktivistin schon wieder "verhaftet" worden sei. Das zeigt, wie unbeleckt die Autorin von jeglichem Basiswissen ist. Die Nichte wurde festgenommen, denn verhaftet wird man nur dann, wenn ein von einem Richter ausgestellter Haftbefehl vorliegt. Das weiß jeder Polizeianfänger. Warum sollte nicht auch eine Anfängerautorin in Sachen Kriminalliteratur sich dieses Wissen aneignen können?

Von ähnlicher Qualität gibt es weitere Unzulänglichkeiten in dem 320 Seiten-Taschenbuch. Wenn der Autorin schon die notwendige Sensibilität zur Recherche fehlt, müsste dieser Fauxpas spätestens dem Lektor auffallen. Aber der hat offenbar sein Herzblut nicht an "Kreuzstich Bienenstich Herzstich" verschwendet, sonst hätte er festgestellt, dass die Autorin die deutsche Grammatik und Kommasetzung recht großzügig und vermutlich zugunsten ihrer Unwissenheit bei diesem Themenkomplex auslegt.

Jedenfalls bedient sie jedes Klischee. Ihren Frauencharaktere, egal welcher Altersstufe, sind allesamt sexuell unterversorgt, die Täterin mordet wie alle Frauen in einschlägigen Krimis mit Gift und will den Seifferhelden zum Schluss noch an der Kragen, obwohl der - zumindest nach dem von der Autorin zugrunde gelegten Motiv - gar nicht ins Mordschema passt. Davon abgesehen, dass dieser Brünhild-Typ (1,90 Meter, 120 Kilo) im wahren Leben noch nicht einmal in Versuchung geführt würde. Zumindest nicht von den allesamt bestausehenden und sportgestählten Kerlen, die von ihr im Buch jeweils nach der Liebesnacht mit der Giftspritze flach gelegt werden. Ach, übrigens heißt der Held des Buches nicht nur Seifferheld, sondern auch Siegfried mit Vornamen. Wer also wäre besser geeignet, Brünhild zu zeigen, wo die Tarnkappe hängt?

Frau Kruse weiß nicht, was ein Dutt ist und sie wirft dann auch noch Rauchwaren in den Aschenbecher, wo eigentlich nur Tabakwaren hingehören.

Rauchwaren, liebe Frau Kruse, sind Pelze! Auch wenn der Duden die Bedeutung für das Nomen um die umgangssprachliche Variante erweitert hat. Auch der Duden hat nicht immer Recht, sondern passt sich leider dem ständig flacher werdenden Bildungsniveau seiner Nichtnutzer an.

Und Tabakwaren sind schädlich für die Gesundheit und gelten als hochgradig krebserregend. Aber immerhin kennt sie sich auch im realen Leben mit Ferragamo-Stilettos aus. Deshalb trägt das weibliche Pendant zum Seifferhelden diese von einem nach den USA ausgewanderten Italiener kreiierte Schuhmarke. Daran wäre erst mal nicht zu mäkeln.

Wenn das Buch, das immerhin im als seriös bekannten Knaur-Verlag erschien, nicht durchschnittlich alle zwei Seiten Schleichwerbung machte. In Blockbustern heißt das "Product-Placement" und hilft vor allem bei teuren Filmen, die Produktionskosten zu senken.

Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man auf den Gedanken kommen, Frau Kruse habe ihren Krimi in einem Zuschussverlag herausgegeben und durch die ausgiebige Nennung von Produktmarken ihren Eigenanteil für Druck und Vertrieb möglichst gering gehalten.

Da hätte der Lektor rechtzeitig und energisch mit dem roten Redigierstift durch "Nike", "Löwenbräu", "M&M", "Levi's", "Jack Wolfskin", "Boss", "Gucci" streifen müssen.

Vor allem aber ist Frau Kruse zu raten, einen Kurs in journalistischem Schreiben zu besuchen. Oder besser noch ein Praktikum in der Redaktion der örtlichen Lokalzeitung. Damit sie endlich erfährt, wie Journalisten Polizeimeldungen verfassen.

 

Tatjana Kruse

"Kreuzstich Bienenstich Herzstich"

Knaur Verlag, München

ISBN 978-3-426-50367-6

8,95 Euro

 



Autor: weso -- Montag, 17. Mai 2010; 12:13:43 Uhr

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